Die jamaikanische Sprinterin Shelly-Ann Fraser-Pryce

Shelly-Ann Fraser-Pryce - Die "Pocket Rocket" aus Jamaika

Land: Jamaika Flagge Jamaika

Steckbrief

geb. am: 27.12.1986
in Kingston
Größe: 152 cm
Gewicht: 52 kg
Verein: M.V.P. Track and Field Club
Trainer: Stephen Francis

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
10,70 Sek. 100 m (2012/NR)
22,09 Sek. 200 m (2012)

Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Gold 2012 (100 m)
Silber 2012 (200 m, 4x100 m)
Gold 2008 (100 m)

Weltmeisterschaften:
2x Gold 2015 (100 m, 4x100 m)
3x Gold 2013 (100 m, 200 m, 4x100 m)
Silber 2011 (4x100 m)
2x Gold 2009 (100 m, 4x100 m)
Silber 2007 (4x100 m)

Weltfinale:
Gold 2008


Der Armut davonlaufen zu wollen ist nicht der schlechteste Antrieb, eine außergewöhnliche Leichtathletik-Karriere zu starten. Zumindest im Fall von Shelly-Ann Fraser-Pryce. Die Jamaikanerin wuchs im Kingston-Bezirk Waterhouse auf, in dem das Leben extrem hart sein kann. Ihr Talent, schneller als andere rennen zu können, war ihr und der Weg ihrer Familie aus diesen Verhältnissen. Die zweifache Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin ist das weibliche Pendant Jamaikas zu Usain Bolt, den Sprint-Dominator der vergangenen Jahre. Dabei könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite der extrovertierte Bolt, ein 1,95-Meter-Hüne, der aus jedem Start eine Show macht. Auf der anderen Seite die vier Monate jüngere Fraser-Pryce, 1,52 Meter klein, die abseits der Sprintbahn kaum auffällt.

Als 15-Jährige bei den 17-Jährigen mitgehalten

Doch wenn der Startschuss fällt, macht "Pocket Rocket" Fraser-Pryce ihrem Spitznamen alle Ehre. Im Juniorenbereich hatte sie in Jamaika bereits nachdrücklich auf sich aufmerksam gemacht. 2002 holte sie bei den U17-Karibikmeisterschaften Gold mit der 4x100-Meter-Staffel Jamaikas, als 15-Jährige. Der vierte Platz über 200 Meter konnte sich auch sehen lassen.

Paukenschlag in Peking

Trotz ihrer beachtlichen Vorleistungen und einer WM-Staffel-Silbermedaille von 2007 platzte Shelly-Ann Fraser-Price bei den Olympischen Spielen 2008 beinahe aus dem Nichts in die Weltelite - und das mit einem Paukenschlag. Das kleine Kraftpaket holte sich als erste Frau aus der Karibik olympisches Gold über 100 Meter, in persönlicher Bestzeit von 10,78 Sekunden. Das war die zweitschnellste Zeit, die eine Jamaikanerin bis dahin nach Merlene Otteys Landesrekord von 10,74 Sekunden über 100 Meter gelaufen war.

Landesrekord und Gold in Berlin 2009

Ein Jahr später hielt Fraser bei der WM in Berlin den nun hohen Erwartungen stand - und war noch schneller als in Peking. Sie gewann das Finale in 10,73 Sekunden und entriss Ottey den 13 Jahre alten jamaikanischen Rekord. In der Staffel war es hauptsächlich der an Position zwei laufenden Fraser zu verdanken, dass Jamaika vor Gold holte.

Positiv auf ein Schmerzmittel

Shelly-Ann Fraser-Pryce © dpa - Bildfunk Foto: Michael Kappeler

Positiver Test auf ein Schmerzmittel 2010: Shelly-Ann Fraser-Pryce.

Ein wenig ruhmreiches Kapitel schrieb Fraser-Pryce 2010. Beim Diamond-League-Meeting in Shanghai wurde sie positiv auf das morphinhaltige Narkotikum Oxycodon getestet, das nicht leistungssteigernd wirkt. Fraser gab an, wegen Zahnschmerzen von ihrem Trainer Stephen Francis ein schmerzstillendes Medikament bekommen zu haben, das er selbst einnehme, weil er an Nierensteinen leide. Sie habe nicht gewusst, dass das Schmerzmittel eine Substanz enthalte, die auf der Dopingliste stehe. Nach einem Einspruch des jamaikanischen Verbandes wurde ihre Sperre auf sechs Monate bis zum 7. Januar 2011 reduziert - an jenem Tag heiratete sie ihren langjährigen Freund Jason Pryce.

Wieder olympisches Gold in London 2012

Es folgte eine Durststrecke im Jahr 2011. Bei der WM in Daegu wurde sie nur Vierte über 100 Meter. Über 200 Meter trat sie nicht an, mit der Staffel gewann sie immerhin Silber. 2012 war sie aber wieder ganz die Alte. Im Juni verbesserte sie in Kingston ihren nationalen Rekord über 100 Meter auf 10,70 Sekunden - es ist die viertschnellste je gelaufene Zeit. Wenig später in London wiederholte sie als dritte Frau nach den US-Amerikanerinnen Wyomia Tyus (1964 und 1968) und Gail Devers (1992 und 1996) einen Olympiasieg über 100 Meter (10,75 Sekunden). Im 200-m-Finale stellte sie in 22,09 Sekunden eine persönliche Bestzeit auf, doch das reichte nicht, um Siegerin Allyson Felix (21,88) zu gefährden. Ähnlich lief es in der Staffel. 41,41 Sekunden bedeuteten Landesrekord für die Jamaikanerinnen - doch gegen das Weltrekord-Quartett der USA (40,82) war kein Kraut gewachsen.

Goldrausch in Moskau und Peking

Bei der WM 2013 drehten die Jamaikanerinnen mit Schlussläuferin Fraser-Pryce den Spieß um, holten sich Gold über die 4x100 Meter. Mit den zuvor errungenen Titeln über 100 und 200 Meter wurde "Pocket Rocket" ihrer Favoritenrolle gerecht, ebenso wie Landsmann Bolt, der auch das Triple feierte. In Peking 2015 knüpfte sie an die Erfolge an: Über 100 Meter sicherte sich "SAFP" WM-Titel Nummer sechs und ließ in der Sprintstaffel Nummer sieben folgen.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 29.08.15 16:30 Uhr