Marco Koch

Marco Koch: Auf der Suche nach Perfektion

Sportart: Schwimmen
Disziplin: 200 m Brust
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 25.01.1990
in Darmstadt
Größe: 185 cm
Gewicht: 83 kg
Verein: DSW 1912 Darmstadt
Trainer: Alexander Kreisel
Beruf: Student (Fernstudium Wirtschaftspsychologie)

Sportliche Eckdaten

Größte Erfolge
Weltmeisterschaft:
1. Platz 2015 (200 m Brust)
8. Platz 2014 (4 x 100 m Lagen)
2. Platz 2014 (200 m Brust)
2. Platz 2013 (200 m Brust)
7. Platz 2012 (200 m Brust)
9. Platz 2012 (100 m Brust)
4. Platz 2010 (200 m Brust)

Europameisterschaft:
2. Platz 2016 (200 m Brust)
4. Platz 2015 (4 x 50 m Lagen)
1. Platz 2015 (100 m Brust)
1. Platz 2015 (200 m Brust)
5. Platz 2015 (4 x 100 m Lagen)
4. Platz 2014 (4 x 100 m Lagen)
1. Platz 2014 (200 m Brust)
4. Platz 2014 (4 x 100 m Lagen)
3. Platz 2014 (200 m Brust)
2. Platz 2013 (100 m Brust)
2. Platz 2012 (200 m Brust)
4. Platz 2012 (100 m Brust)
4. Platz 2011 (200 m Brust)
1. Platz 2010 (200 m Brust)
8. Platz 2010 (100 m Brust)
7. Platz 2010 (200 m Brust)
2. Platz 2008 (4 x 50 m Lagen)


Marco Koch ist immer auf der Suche. Nicht nach Geld, Ruhm und Medaillen. Nein, Marco Koch ist auf der Suche nach dem perfekten Rennen. Technisch, taktisch und natürlich mit der besten Zeit von allen. In Rio soll ihm dieses Rennen gelingen; im Finale über 200 m Brust. Besser könnte er sich die Wiedergutmachung für die Pleite bei den Olympischen Spielen vor vier Jahren nicht vorstellen. Der Stachel der total verpatzten Vorstellung im Aquatic Center von London mit dem peinlichen Aus als Dreizehnter im Halbfinale sitzt tief - so tief, dass ihm wohl nur eine Medaille in Rio de Janeiro endlich Linderung verschaffen könnte.

"Wer in Darmstadt klarkommt, kommt überall klar"

Die Fehler von damals sollen sich nicht wiederholen. Die frühe Anreise wie nach London hat er schon gestrichen. An der Wettkampfhärte hat er tüchtig gearbeitet und an seiner professionellen Einstellung. Nur das Laster "Fast Food" hat er noch immer nicht abgelegt. Da ist er überhaupt nicht konsequent. Sympathisch irgendwie. So wie seine unaufgeregte Art, mit dem so gar nicht modernsten Ansprüchen genügenden Darmstädter Nordbad umzugehen, in dem Koch neben etlichen Hobby-Athleten seine Bahnen zieht: "Wer in Darmstadt klarkommt, der kommt überall klar."

Gleiter durchs Wasser

Dass Koch nach seinem Desaster in London der erfolgreichste Schwimmer des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) wurde, dass einzig ihm eine Goldmedaille in Rio zugetraut wird, mag den oberflächlichen Betrachter verwundern. Schließlich genügt Koch den gemeinen Vorstellungen von einem schwimmenden Modellathleten  sicher nicht: Keine breiten Schultern wie ein Delphin-Schwimmer und auch sonst keine beeindruckenden Muskelberge. Dafür aber ist der Brustschwimmer beim Gleiten durchs Wasser kaum zu überbieten.

"Eine Art Pinguinform"

Alexander Kreisel, Kochs Heimtrainer seit 14 Jahren, beschreibt die Physis seines Schützlings so: "Eine Art Pinguinform, sehr weiche Haut, sehr außergewöhnlich, kein Schwabbel." Eine Erfolgsformel klingt anders. Aber der 26-Jährige verfügt über eine ausgefeilte Technik mit starken Delphin-Kicks nach Start und Wende. Statt stundenlang die Kacheln auf ellenlangen Trainingsbahnen zu zählen, schwört der Welt- und Europameister auf intensives Training in hohem Tempo wie im Wettkampf. „Viele Meter schwimmen, macht mich nicht so schnell“, sagte er unlängst der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Bodenständig und konsequent

Koch geht seinen Weg konsequent und meistens erfolgreich. Ohne seine Mutter, die ihn alleine großgezogen hat, wäre das kaum möglich gewesen. Tausende von Kilometern hat sie ihn gefahren vom Odenwald nach Darmstadt, bis endlich der Umzug möglich war. "Wie viel sie geopfert hat, wird einem erst Jahre später richtig bewusst", sagt Koch. Vergessen hat er das nicht - und womöglich rührt seine bodenständige Einstellung abseits der hypermodernen Leistungszentren auch daher.

Das perfekte Rennen

Dabei hat sich der Fernstudent der Wirtschaftspsychologie seinen Alltag passgenau zurechtgelegt. Anders als viele seiner Kollegen aus der Nationalmannschaft bestreitet Koch viele Wettkämpfe. Selbst die wegen der langen Reisen weithin unbeliebten, finanziell aber lukrativen Weltcup-Stationen nimmt er mit. Deshalb kann er von seinem Sport, der abseits von Olympia und den großen Events eher ein Schattendasein fristet, gut leben. Relativ gut, schränkt Koch sogleich ein: "Es ist natürlich nicht so, dass ich mit 30 Jahren sage, fein, jetzt spiele ich nur noch Golf." Aber wichtiger ist ihm ja sowieso das perfekte Rennen - möglichst in Rio.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 02.08.16 20:18 Uhr