Die deutsche Sprinterin Gina Lückenkemper freut sich nach dem Zieleinlauf.

Gina Lückenkemper - Cool und verflixt schnell

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: 200 m
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 21.11.1996
in Hamm
Größe: 170 cm
Gewicht: 55 kg
Verein: TSV Bayer 04 Leverkusen
Trainer: Ulrich Kunst
Beruf: Studentin (Wirtschaftspsychologie)

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
10,95 Sek. (2017/100 m)
22,67 Sek. (2016/200 m)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
4. Platz 2016 (4x100 m)

Europameisterschaften:
Bronze 2018 (4 x 100 m)
Silber 2018 (100 m)
Bronze 2016 (200 m)
Bronze 2016 (4x100 m)

Deutsche Meisterschaften:
Gold 2018 (100 m)
Gold 2017 (100 m)
Gold 2016 (200 m)

Weltmeisterschaften:
5. Platz 2015 (Staffel)
14. Platz 2015 (100 m)

U20-WM:
Bronze 2014 (4x100 m)

U20-EM:
Gold 2015 (200 m)


Im vergangenen Jahr blieb Gina Lückenkemper bei der WM als erste deutsche Sprinterin seit 26 Jahren über 100 m unter elf Sekunden. 10,95 - stark, aber da geht noch mehr, glaubt sie. Bei der EM sind erneut zwei Medaillen das Ziel.

Gina Lückenkemper ist cool, ehrgeizig, unbekümmert und in jeder Hinsicht schnell. Sie spricht schnell, fährt gern schnell Auto, sprintet schnell und schloss beinahe nahtlos die Lücke, die Verena Sailer nach ihrem Karriereende 2015 hinterlassen hatte. Ihre große Stärke ist ihre Lockerheit. "Ich bin ein Honigkuchenpferd", sagt sie selbst. Die 21-Jährige hat keine Probleme, sich auf der ganz großen Bühne zu präsentieren. Andere verkrampfen, sie wächst daran. Und macht direkt vor dem Start auch mal ein Tänzchen - ohne ihren Fokus zu verlieren. "Sie hat eine klare Vorstellung von allem im Leben", sagt Trainer Ulrich Kunst.

Start bei der WM in Peking "der Wahnsinn"

Schon 2015 hatte die Westfälin aufhorchen lassen. Bei den deutschen U23-Meisterschaften rannte sie im Zwischenlauf in 11,25 Sekunden genau zur WM-Norm und damit so schnell wie keine Deutsche unter 20 Jahren in diesem Jahrtausend. "Das ist der Wahnsinn. Vor der Saison habe ich damit niemals gerechnet. Und nun bin ich sogar im Einzel und in der Staffel dabei", jubelte sie nach Bekanntgabe ihrer Nominierung für Peking. Bei ihrem WM-Debüt belegte sie in einem starken Vorlauf in 11,34 Sekunden Platz vier. Mit der Staffel wurde sie Fünfte.

Fantastisches Jahr 2016

Die deutsche Sprintern Gina Lückenkemper © dpa - Bildfunk Foto: Michael Kappeler

Schnell unterwegs: Gina Lückenkemper in Rio.

Gold gab es für die deutsche Hoffnungsträgerin, die immer gute Laune versprüht, bei der U20-EM 2015 im schwedischen Eskilstuna über 200 m - ihrer Lieblingsstrecke, weil sie es mag, die Kurven zu laufen. 2016 startete Lückenkemper so richtig durch. Sie baute ihr Abitur, sprintete ins olympische Halbfinale und sicherte sich bei der EM in Amsterdam als jüngste Starterin im DLV-Team zweimal Bronze (200 m und Staffel). 18 Jahre nach Melanie Paschke (Bronze) gab es damit wieder EM-Edelmetall für das deutsche Team über die 200 m. "Ich habe mehrfach davon geträumt, dass ich hier eine Medaille hole. Dass ich es jetzt geschafft habe, ist megageil", jubelte sie: "Ich bin superstolz, dass es geklappt hat."

"Es ist mein Jahr, es läuft einfach alles"

In Rio sprang mit dem DLV-Quartett, das eine Medaille nur hauchdünn verpasste, Rang vier heraus. Schon zuvor war die Staffel mit Tatjana Pinto, Lisa Mayer, Lückenkemper und Rebekka Haase mit ihrem Sieg in Regensburg in 42,00 Sekunden in historische Dimensionen vorgestoßen. Zuletzt war vor 26 Jahren ein deutsches Quartett schneller. Nur eine Stunde nach dem Paukenschlag erzielte Lückenkemper zudem auf ihrer Paradestrecke mit 22,67 Sekunden die schnellste Zeit einer deutschen 200-m-Läuferin seit 1999 (Andrea Philipp; 22,25). Bei der DM in Kassel sprintete die charismatische und natürliche Athletin anschließend in 22,84 Sekunden zu ihrem ersten deutschen Meistertitel. Letztmals war vor 15 Jahren eine deutsche 200-m-Meisterin schneller: 2001 in Stuttgart Gabi Rockmeier mit 22,68 Sekunden. "Es ist mein Jahr, es läuft einfach alles", sagte Lückenkemper.

Bei der WM in London unter elf Sekunden

In der WM-Saison 2017 konzentrierte sich Deutschlands größtes Sprinttalent wegen Fußproblemen auf die 100 m - und sorgte erneut für Furore. Bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt stellte Lückenkemper im Vorlauf und bei Windstille in 11,01 Sekunden eine Bestzeit auf und kam der magische Marke ganz nah. "Eine Zehn vor dem Komma wäre noch schöner gewesen, aber es hat heute nicht sollen sein. Ich möchte einfach eine von den Frauen sein, die unter elf Sekunden gelaufen sind", sagte sie. Im Finale lief sie dann trotz eines Strauchlers am Start bei ihrer ersten DM-Teilnahme über 100 m zum Sieg (11,10).

Bei ihrem ersten Auftritt bei der WM in London erfüllte sie sich schließlich ihren Herzenswunsch und knackte die Elf-Sekunden-Schallmauer. In 10,95 Sekunden stürmte sie ins Halbfinale. Als bisher letzte Deutsche war Katrin Krabbe mit 10,91 bei ihrem WM-Titel 1991 in Tokio unter elf Sekunden gelaufen. Mit der Staffel schaffte sie es bis ins Finale und landete gemeinsam mit Pinto, Mayer und Haase auf Rang vier.

Zwei EM-Medaillen das Ziel in Berlin

Ihre weiteren Ziele formuliert Lückenkemper gewohnt glasklar: "Ich möchte wie 2016 mit zwei EM-Medaillen nach Hause fahren", hat sie sich für Berlin vorgenommen. Und: "Ich will wieder unter elf Sekunden laufen. Ich finde es auch realistisch, noch schneller als die 10,95 zu sein. Inwieweit das dieses Jahr schon sein wird, wird sich zeigen. Ich will alles rausholen, was man noch rausholen kann."

Sprinterin Gina Lückenkemper mit ihrem Pferd Picasso © https://www.berlin2018.info/

Gut für die Seele: Lückenkempers Pferd "Picasso".

Wegen der besseren Trainingsmöglichkeiten startet sie seit diesem Jahr für Bayer Leverkusen, die Seele kann sie am besten beim Reiten mit ihrem Pferd "Picasso" baumeln lassen. Wie im vergangenen Jahr, als sie während der Saison eine einwöchige Pause einlegte: "Mein Gehirn stand kurz vor der Kernschmelze, denn ich war sehr viel unterwegs", berichtete die Studentin der Wirtschaftspsychologie. In diesem Jahr planen sie und ihr Team deshalb die Starts - erneut wieder über die 100 m - mit mehr Bedacht und auch von vornherein Pausen ein. Das schlägt sich auch in ihren Leistungen nieder: Noch nie war die deutsche Meisterin so konstant schnell unterwegs.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 12.08.18 22:31 Uhr