Die niederländische Sprinterin Dafne Schippers

Dafne Schippers - Die talentierte Sprint-"Königin"

Land: Niederlande Flagge Niederlande

Steckbrief

geb. am: 15.06.1992
in Utrecht
Trainer: Bart Bennema

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
100 m: 10,81 Sek, (2015/NR)
200 m: 21,63 Sek. (2015/NR,ER)
Weitsprung: 6,78 m (2014/NR)
Siebenkampf: 6.545 Pkt. (2014/NR)

Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Silber 2016 (200 m)

Weltmeisterschaften:
Gold 2015 (200 m)
Silber 2015 (100 m)
Bronze 2013 (Siebenkampf)

Europameisterschaften:
Gold 2016 (100 m)
Gold 2014 (100 m, 200 m)
Silber 2012 (4x100 m)


Dafne Schippers ist die erfolgreichste Sprinterin der Niederlande seit der "fliegenden Hausfrau" Fanny Blankers-Koen. Dabei konzentriert sich die 25-Jährige erst seit Kurzem voll auf die 100 und 200 m. Zuvor hatte Schippers im Siebenkampf Erfolge gefeiert.

Zwei Tage jeden Muskel im Körper schinden - oder einfach nur ein paar Sekunden geradeaus rennen? Irgendwann musste sich Dafne Schippers entscheiden. Sie tat es 2015 mit dem zu erwartenden Ergebnis: Die erfolgreichste Sprinterin der Niederlande seit der "fliegenden Hausfrau" Fanny Blankers-Koen hat das Kapitel Siebenkampf geschlossen - und konzentriert sich auf die Sprintstrecken. "Es war eine sehr schwierige Entscheidung. Aber es fühlt sich gut an", sagte die damals 23-Jährige, als sie in ihrer Heimatstadt Utrecht ihren Karriereplan öffentlich machte.

Es hatte sich abgezeichnet, seit sie 2014 in Zürich Doppel-Europameisterin über 100 und 200 m geworden war. Bei der WM 2015 in Peking zeigte sich, dass die Entscheidung goldrichtig war: Über 100 m holte Schippers zwar "nur" Silber, auf der doppelten Distanz schlug dann aber die große Stunde der Niederländerin - Gold in Europarekordzeit von 21,63 Sekunden. Kaum langsamer war sie ein Jahr später bei den Spielen in Rio unterwegs: Olympisches Silber in 21,88 Sekunden!

Siebenkampf nur noch mit Kniebeschwerden

Dass Schippers voll auf den Sprint setzt, weil das kurze, aber medienwirksame Spektakel mehr Geld und Ruhm einbringt, ist nur die halbe Wahrheit. Jahrelang begleiteten sie Kniebeschwerden, die nur im Siebenkampf auftraten. Beim Mehrkampf-Meeting im Mai 2015 in Götzis lag Schippers auf Kurs Landesrekord, doch zum 800-m-Lauf konnte sie nicht mehr antreten. "Das war sehr frustrierend, aber es hat mich in meinem Entschluss bestärkt", sagte "Europas Leichtathletin des Jahres 2014".

Mal Mehrkampf, mal Sprint

Dafne Schippers aus den Niederlanden beim Weitsprung ©  picture alliance / dpa Foto: Michael Kappeler

Weitsprung, Sprint, Siebenkampf: Dafne Schippers hat viele Talente.

Ihre Vielseitigkeit hat die Tochter eines Physiotherapeuten und einer Grundschullehrerin früh geschult. Als 17-Jährige trat sie erstmals bei einem internationalen Wettkampf im Siebenkampf an und holte so viele Punkte wie nie eine Niederländerin in diesem Alter vor ihr. 2010 wurde sie bereits Junioren-Weltmeisterin. Gleichzeitig gewann sie WM-Bronze mit der Sprint-Staffel. 2011 übertraf sie im Mehrkampf erstmals die 6.000-Punkte-Marke und holte Gold bei den Junioren-Europameisterschaften. Außerdem feierte sie ihr WM-Debüt bei den "Großen", nachdem sie über 200 m ihren ersten Landesrekord aufgestellt hatte. Ein Jahr später steigerte Schippers ihre persönliche Bestleistung im Siebenkampf um mehr als 200 Punkte auf 6.360 - dennoch zog sie es vor, bei der EM in Helsinki im Sprint zu starten. Über 200 m belegte sie Platz fünf, mit der Staffel holte sie überraschend Silber.

Ihre Olympia-Premiere beendete sie als Zwölfte des Siebenkampfs. Ein Jahr später stand sie als Dritte mit auf dem Siegerpodest, als bei der WM in Moskau die "Königin der Leichtathletik" gekrönt wurde. Eine unglaubliche Steigerung ihrer persönlichen Bestleistung über 800 m um fast sieben Sekunden ermöglichte den Sprung auf den Bronze-Platz.

Erfolgsstation Letzigrund

Im EM-Jahr 2014 sorgte Schippers in Götzis zunächst mit 6.545 Punkten im Siebenkampf für Aufsehen. Zudem pulverisierte sie im Siebenkampf, Weitsprung sowie über 100 und 200 m die niederländischen Landesrekorde - ebenso mit der 4x100-m-Staffel. Der nächste Höhepunkt folgte bei der EM im Letzigrund: Über 100 m überholte sie nach schwachem Start das komplette Feld und sicherte sich in 11,12 Sekunden den Titel. Über 200 m war sie in 22,03 Sekunden so schnell wie seit neun Jahren keine Europäerin mehr.

Gold und Silber im "Vogelnest"

Die niederländische Sprinterin Dafne Schippers (M.) © dpa - Bildfunk Foto: Srdjan Suki

Dafne Schippers (M.) ist in die Weltspitze gesprintet.

In Peking 2015 drang sie dann sogar in die Phalanx der Sprinterinnen aus den USA und Jamaika ein: Im 100-m-Finale lief sie in 10,81 Sekunden erneut niederländischen Landesrekord und holte Silber, nur fünf Hunderstel hinter Jamaikas Sprintstar Shelly-Ann Fraser-Pryce. Auf der halben Stadionrunde gelang Schippers im "Vogelnest" von Peking dann der absolute Durchbruch als Sprinterin. Ihr Lauf zum Europarekord war beeindruckend und ließ sie jubeln. "Was für ein Rennen! Was für eine WM! Ich wollte Gold und ich wollte unter 22 Sekunden bleiben. Beides habe ich geschafft, fassen kann ich es trotzdem nicht", sagte Schippers. Manchmal vermisse sie den Siebenkampf noch, hatte die Niederländerin noch vor den Titelkämpfen gesagt. Aber sie genießt es auch, am Wettkampftag nicht mehr von Start zu Start zu hetzen: "Das Leben als Sprinterin ist schön, sehr entspannt. Anders als beim Mehrkampf muss man sich nur auf eine Disziplin konzentrieren", erzählte sie der britischen Zeitung "The Telegraph".

Food-Blog: Was Dafne mag

Die gewonnene Zeit nutzt die Feinschmeckerin unter anderem dafür, ausgefallene, vor allem aber sportgerechte Kochrezepte zu erfinden und zu teilen. Zusammen mit ihrer Schwester betreibt sie einen Food-Blog, wo einfallsreiche Kreationen wie "Reise nach Monaco & Süßkartoffel-Tortilla", "Regenbogen-Quinoa-Salat" und vietnamesische Sommerrollen zum Nachkochen dargeboten werden.

Gold verloren - Silber gewonnen

Das anschließende Olympia-Jahr sollte an die Erfolgssaison von 2015 anknüpfen - und die Vorbereitung auf Rio begann vielversprechend. Über 200 m erzielte Schippers eine Top-Zeit nach der anderen: 22,25 Sekunden in Gainesville, 22,03 Sekunden in Hengelo, 22,11 Sekunden in Eugene und 21,93 Sekunden in Oslo. Über die 100 m setzte sie in Doha ein Ausrufezeichen: 10,83 Sekunden, gerade einmal zwei Hundertstel über ihrer Bestleistung. Bei der Heim-EM in Amsterdam sprintete Schippers über 100 m in 10,90 Sekunden souverän zu Gold. Für Olympia waren also alle Augen auf Schippers gerichtet, die Erwartungen zu Hause riesengroß - den meisten Druck aber machte Schippers sich selbst, zudem hatte sich die Konkurrenz bestens auf die Europarekordlerin eingestellt: Schippers verfehlte die angestrebte Medaille über die 100-m-Distanz knapp und das fest eingeplante Gold über ihre Paradestrecke 200 m gar um eine Zehntelsekunde. Die Enttäuschung stand der erfolgsverwöhnten Niederländerin ins Gesicht geschrieben - trotz olympischer Silbermedaille.

Blick nach vorne gerichtet

"Ich bin niemand, der sich lange mit der Vergangenheit aufhält. Natürlich kann ich einen Sieg feiern oder bin genervt nach einer Niederlage", sagt die ehrgeizige Sprinterin, "aber dann schaue ich schnell wieder nach vorne". Ihre Ambitionen für 2017 hat die schnelle Niederländerin schon unterstrichen: Über 100 m blieb sie klar unter elf Sekunden und ihre Lieblingsstrecke 200 m absolvierte sie bei Gegenwind in 22,10 Sekunden. Keine Frage, Dafne Schippers ist bereit für die WM-Titelverteidigung.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 06.08.17 18:58 Uhr