Steffi Nerius (r.) spricht mit Markus Rehm. © Imago/Annegret Hilse

Leichtathletik

Nerius macht doch weiter - wenn Rehm will

von Florian Neuhauss, sportschau.de

Steffi Nerius hat schon während ihrer erfolgreichen Karriere als Speerwerferin damit angefangen, behinderte Athleten zu trainieren. Nach 14 Jahren wollte die DBS-Blocktrainerin für Wurf, Sprint und Sprung nach Rio eigentlich aufhören. Doch intern ist es längst anderes besprochen: Wenn Weitspringer Markus Rehm bis zu den Paralympics in Tokio 2020 weitermacht, bleibt sie seine Trainerin.

Im Frühjahr 2015 kündigte Steffi Nerius für viele überraschend das Ende ihrer Trainerkarriere an. Nach den Paralympics in Rio de Janeiro sollte Schluss sein. Schon damals wechselte sie bei ihrem Club Bayer Leverkusen auf den Posten Internatsleitung Sport. Beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) betreute sie als Blocktrainerin trotzdem "ihren" beiden Athleten Markus Rehm und Franziska Liebhardt weiter. Endet in ein paar Tagen eine Ära? Wohl kaum! "Markus und ich haben besprochen, dass ich weiter mit ihm arbeite, wenn er bis Tokio weitermacht", sagt Nerius sportschau.de.

Rehm kämpft seit Jahren um einen Start bei Olympia - und setzt sich dafür ein, dass Paralympische Spiele noch mehr Öffentlichkeit bekommen. In Rio müsste schon einiges schieflaufen, wenn der 28-Jährige in der Weitsprung-Klasse T44 nicht erneut Gold gewinnen würde. Mit der 4x100-Meter-Staffel hat er gerade schon den ersten Titel geholt. Da Rehm noch immer in Gesprächen mit dem Leichtathletik-Weltverband IAAF über eine Starterlaubnis steckt und dieser Tage vor Tatendrang sprüht, dürfte Nerius' Karriere als Coach also eine Fortsetzung finden.

"Ich habe als Trainerin alles erreicht"

Sperrwerferin Steffi Nerius. © Witters Foto: MatthiasHangst

Steffi Nerius beendete ihre aktive Karriere, nachdem sie 2009 in Berlin Speerwurf-Weltmeisterin geworden war.

Dass die 44-Jährige überhaupt eine neue Aufgabe übernommen hat, hatte einen einfachen Grund: "Ich brauchte eine neue Herausforderung. Meine Athleten haben bei der EM, WM und bei den Paralympics Gold gewonnen. Ich habe alles erreicht", betonte die Diplom-Sportlehrerin, die selbst Europa- und Weltmeisterin war.

Mit Rehm, der die Weitsprung-Konkurrenz der Unterschenkelamputierten seit Jahren beherrscht und sogar deutscher Meister der Nicht-Behinderten geworden ist, gehe es immer darum, möglichst weit zu springen. Weil der Sieg meist reine Formsache ist, stacheln Athlet und Trainerin sich gegenseitig mit ihrem Ehrgeiz an. Bei Franziska Liebhardt ist die Sache anders. "Franzi wollte unbedingt einmal zu den Paralympics - und sie ist mir in den vergangenen Jahren sehr ans Herz gewachsen", berichtet Nerius. Mit 34 ist der Traum der Kugelstoßerin und Weitspringerin, die Lähmungen in der rechten Körperhälfte hat, wahr geworden. Nach Rio hört die gebürtige Berlinerin auf.

"Entscheidungen treffen und Kopf hinhalten"

Das Internat leiten, Athleten in Leverkusen trainieren und die Aufgaben als Blocktrainerin wahrnehmen, "das ist in diesem Jahr alles schon ein bisschen viel gewesen", erklärt Nerius, die sich nach den Paralympics auf die Arbeit im Internat konzentrieren will. "Ich fühle mich mit der Entscheidung super wohl. Das ist genau mein Ding. Ich kann Entscheidungen treffen und muss dafür auch mal meinen Kopf hinhalten. Das hat mir zuletzt schon gefehlt."

Nach den ganzen "Schreckensmeldungen" sei sie ohne Vorfreude nach Rio gereist. "Doch seit dem Abflug bin ich durchweg positiv überrascht worden. Es passt alles, alles läuft rund." Das gelte auch für die Entwicklung des Behindertensports im Allgemeinen: "Die ist sensationell, der Hammer". Künftig müsse aber noch mehr in Sachen Marketing gemacht werden. "Es gibt wirklich tolle Athleten - und einige vermarkten sich auch super. Bei vielen passiert da aber einfach noch zu wenig."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 19.09.2016, 10.00 Uhr

Stand: 13.09.16 16:38 Uhr

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