Frankreichs Luka Karabatic (l.) holt zum Wurf aus. © dpa - Bildfunk Foto: Marijan Murat

Handball

"Bad Boys" unterliegen nach großem Kampf

Bittere Niederlage gegen Frankreich: Die deutschen Handballer zogen im olympischen Halbfinale gegen den Titelverteidiger hauchdünn den Kürzeren. Die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson unterlag Top-Favorit Frankreich im Halbfinale mit 28:29 (13:16).

Der Traum vom deutschen Handball-Gold platzte in der Future Arena von Rio drei Sekunden vor der Schluss-Sirene. Da fasste sich Frankreichs Daniel Narcisse beim Stand von 28:28 ein Herz, trat an und schleuderte den Ball mit rechts ins lange Eck des deutschen Tores - 29:28 für Frankreich.

Der Favorit hatte den Nervenkrimi im allerletzten Moment für sich entschieden und steht nun im olympischen Finale. Für das deutsche Team geht es "nur" noch um Bronze. Im kleinen Finale am Sonntag (21.08.16, 15.30 Uhr MESZ) geht es gegen Polen, das Dänemark im zweiten Halbfinale nach Verlängerung 28:29 unterlag.

"So ist das bitter"

"Nach dieser Aufholjagd hätten wir wenigstens eine Verlängerung verdient gehabt. So ist das richtig bitter", sagte der Gummersbacher Rückraumspieler Julius Kühn. Er und seine Teamkollegen fanden erst langsam ihre Fassung wieder und applaudierten ihren Fans. "Es geht immer noch um eine Medaille. Wir müssen jetzt den Schalter umlegen. Dass wir bis zur letzten Sekunde gegen so eine Mannschaft mitgehalten haben, ist super", tröstete sich der Berliner Paul Drux. "Aber dass es so ausgegangen ist, ist einfach nur bitter."

Frankreich startet stark

Dabei hatte es lange nicht nach einem solchen Krimi ausgesehen. Die Franzosen waren höchst aggressiv und mit viel Tempohandball in die Partie gestartet, führten rasch mit drei Toren Vorsprung. Die DHB-Auswahl zeigte lange Zeit ihre schlechteste Turnierleistung, ein Debakel drohte.

Als der Ex-Kieler Narcisse nach neun Minuten mit dem sechsten französischen Torwurf zum 6:3 traf, ließ sich Keeper Andreas Wolff entnervt auswechseln. Sigurdsson forderte wenig später in der Auszeit: "Wir müssen anfangen zu kämpfen."

Karabatic nicht zu halten

Vor allem die zuletzt hoch gelobte Abwehr hatte die ausgebufften Franzosen um Superstar Nikola Karabatic nie richtig in den Griff bekommen. Doch auch vorne scheiterten die deutschen Olympia-Debütanten wahlweise an den eigenen Nerven - oder an Torwart-Ikone Thierry Omeyer im französischen Kasten.

Dann aber wurden die "Bad Boys" endlich böse. Deutschland kämpfte sich ins Match. Hinten entschärfte der eingewechselte Silvio Heinevetter nun einige wichtige Bälle und vorne brachte Uwe Gensheimer die Sigurdsson-Sieben mit seinen Treffern wieder in Schlagdistanz. Die Deutschen kamen nach einem 15:22-Rückstand in der 47. Minute plötzlich sogar noch auf einen Treffer heran. 58 Sekunden vor Schluss stand es 28:28. Und dann kam Narcisse.

Gensheimer bester Werfer

Beste deutsche Werfer gegen Weltmeister Frankreich waren Kapitän Gensheimer mit elf und Julius Kühn mit acht Treffern. Den Franzosen fehlt unterdessen nur noch ein Sieg zum erhofften olympischen Gold-Hattrick. Das Team um Superstar Nikola Karabatic hatte schon 2008 in Peking und 2012 in London triumphiert.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 19.08.16 21:47 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge USA USA 46 37 38
2. Flagge Großbritannien GBR 27 23 17
3. Flagge Volksrepublik China CHN 26 18 26
4. Flagge Russland RUS 19 17 20
5. Flagge Deutschland GER 17 10 15
6. Flagge Japan JPN 12 8 21
7. Flagge Frankreich FRA 10 18 14
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