Fabian Hambüchen jubelt in Rio. © Witters Foto: Valeria Witters

Turnen

Deutsche Turner stehen nach Drama im Finale

Das deutsche Turn-Team zeigte in der Qualifikation großen Kampfgeist und sicherte sich den Einzug ins Finale. Der früh verletzte Mehrkampfmeister Andreas Toba turnte zwischenzeitlich sogar mit einem Kreuzbandriss weiter.

Das große Zittern begann für die deutsche Mannschaft schon beim Eröffnungsgerät, dem Reck. Marcel Nguyen patzte schwer, anschließend stürzte Andreas Bretschneider sogar vom Gerät. Lediglich die glänzende Vorstellung von Fabian Hambüchen rettete die deutsche Mannschaft: Als Schlussturner turnte Hambüchen seine schwierige Übung mit Ausgangswert 7,3 nahezu perfekt. Mit 15,533 Punkten zog er als Bester des Vorkampfs zugleich ins Einzelfinale am Reck ein. "Das war ein Riesen-Befreiungsschlag", sagte der deutsche Vorturner, der nach Bronze in Peking und Silber in London nun nach seiner dritten Olympia-Medaille greift.

Toba verletzt sich am Boden - Diagnose Kreuzbandriss

Das Drama passierte dann am Boden. Start-Turner Andreas Toba sackte nach seiner Eröffnungsbahn zu Boden und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht das rechte Knie. "Auf einmal hat es gekracht, und ich konnte das Bein nicht mehr halten", sagte Toba.Der amtierende deutsche Mehrkampfmeister wurde von den Ärzten vom Boden geleitet, es war klar: Hier war eine schwere Verletzung passiert. Nach den ersten Untersuchungen diagnostizierten die behandelnden Ärzte von Deutschem Turner-Bund (DTB) und Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) eine komplexe Knieverletzung mit unter anderem einem Riss des vorderen Kreuzbandes und einer Verletzung des Innenmeniskus. Die Auswertung aller MRT-Aufnahmen und Nachsorgeuntersuchungen sollen am Sonntag vorgenommen werden, anschließend werde über weitere Behandlungsmaßnahmen und einen eventuellen vorzeitigen Rücktransport entschieden, hieß es vom DOSB. Tobas Aus bedeutete für die restlichen deutschen Turner: Durchturnen, ein Streichergebnis war nicht mehr möglich. Das Team aber präsentierte sich nervenstark und erturnte am Boden eine stabile Punktezahl.

Das schier Unglaubliche: Toba versuchte sich noch einmal anschließend am Pauschenpferd, mit Tränen in den Augen absolvierte er nach Ersatzmann Lukas Dauser als vierter Deutscher seine Übung, nachdem seine drei Vorgänger bereits solide durchgeturnt hatten. Sensationell: Trotz starker Schmerzen zeigte er eine sehr starke Übung und sorgte noch einmal für wichtige Punkte für sein Team, denn er war an diesem Gerät tatsächlich noch einmal bester Deutscher. "Ich war nicht tapfer. Ich habe geheult wie ein Schuljunge", gab er im Anschluss zu.

Hambüchen: "Ich ziehe den Hut vor Andy"

Dank seines ungewöhnlichen Einsatzes rettete Toba der Riege als Achter letzten Endes den Einzug in das Team-Finale am Montag. "Die acht Zehntel, die er rausgeholt hat, waren extrem wichtig", urteilte Cheftrainer Andreas Hirsch. "Ich ziehe den Hut vor Andy. Das hätte nicht jeder gemacht", lobte Hambüchen.

Doch im Anschluss ging es für Toba endgültig nicht mehr weiter. An den Ringen gingen damit nur drei deutsche Turner an den Start - Hambüchen turnt dieses Gerät nicht. Vor allem Nguyen steigerte sich nun von Gerät zu Gerät, mit zurückkehrendem Selbstvertrauen wurden seine Übungen immer sicherer.

Blitzsaubere Leistung beim Sprung

Am fünften Gerät schossen die Arme des deutschen Teams jubelnd in die Höhe, denn am Sprung zeigte das dezimierte Team dann eine megastarke Leistung: Nguyen, Bretschneider und Hambüchen kamen mit blitzsauberen Leistungen in die Wertung, mit der sie den Rückstand in der Gesamtwertung auf die anderen Teams gleich auf einen Schlag stark reduzierten.

Bretschneider und Nguyen im Mehrkampf-Finale

Am letzten Gerät, dem Barren, mussten alle drei Starter Nguyen, Bretschneider und Dauser fehlerfrei durchturnen, um die Chance auf den Mannschafts-Finaleinzug zu wahren. Und das gelang: Wieder war es Nguyen, der zum Abschluss eine Klasse-Übung zeigte und die interne Höchstwertung erreichte. Nguyen sicherte sich am Ende auch den Einzug ins Mehrkampf-Finale, als 22. wird er aber wohl ebensowenig in den Medaillenkampf eingreifen können wie Bretschneider, der sich als 24. fürs Finale qualifizierte.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 07.08.16 02:00 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge USA USA 46 37 38
2. Flagge Großbritannien GBR 27 23 17
3. Flagge Volksrepublik China CHN 26 18 26
4. Flagge Russland RUS 19 18 19
5. Flagge Deutschland GER 17 10 15
6. Flagge Japan JPN 12 8 21
7. Flagge Frankreich FRA 10 18 14
Stand nach 306 von 306 Entscheidungen.

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