Der Belgier Greg Van Avermaet jubelt über Gold im Straßenrennen. © Witters Foto: James Lang

Radsport Straße

Van Avermaet holt in dramatischem Straßenrennen Gold

von Wolfram Porr, sportschau.de

Ausreißergruppen, schwere Anstiege, wilde Abfahrten, Stürze - in einem dramatischen Straßenrennen hat der Belgier Greg van Avermaet überraschend Gold geholt. Simon Geschke (Berlin) fuhr lange in einer Ausreißergruppe mit, wurde aber nicht mit Edelmetall belohnt.

Nach 237,5 Kilometern und mehr als sechs Stunden Fahrzeit siegte van Avermaet im Sprint vor Jakob Fuglsang aus Dänemark und dem Polen Rafal Majka. Dabei hatte es lange so ausgesehen, als würde Ex-Tour-Sieger Vincenzo Nibali (Italien) das Rennen machen. Auf der letzten Abfahrt, hinab vom höchsten Punkt der Strecke, der 530 Meter hoch gelegenen "Vista Chinesa", stürzte der Tour-Sieger von 2014 jedoch ebenso wie der Kolumbianer Sergio Henao Montoya schwer und machte so den Weg für die Überraschungs-Medaillengewinner frei.

Sechsköpfige Ausreißergruppe fährt acht Minuten heraus

Simon Geschke (M.) beim Straßenrad-Rennen in Rio de Janeiro. © DPA Bildfunk Foto: Sebastian Kuhnert

Simon Geschke (2.v.r.) fuhr lange in der sechsköpfigen Ausreißergruppe mit

Es war ein nervöser Beginn auf dem welligen und sehr selektiven Rundkurs rund um Rio de Janeiro mit seinen steilen Anstiegen, nicht windgeschützten Passagen und sogar Kopfsteinpflaster. Traditionell bei Olympia versuchten es zunächst die kleineren Nationen wie die Algerier mit Angriffen. Doch das war nur ein kurzes Aufblitzen. Schon früh im Rennen - etwa bei Kilometer 25 - bildete sich eine sechsköpfige Ausreißergruppe, zu der auch Simon Geschke (Berlin) und der kolumbianische Bergspezialist Jarlison Pantano gehörten. Pantano, Dritter der diesjährigen Bergwertung bei der Tour de France, war erst für den erkrankten Nairo Quintana ins Team gerutscht und suchte seine Chance in der Flucht nach vorne.

Bis zu mehr als acht Minuten Vorsprung erarbeitete sich das Sextett, das erst im dritten Teil der Olympiastrecke - dem dreimal zu bewältigenden, bergigsten Abschnitt durch den Stadtwald von Rio mit dem schwierigen Anstieg zur "Vista Chinesa" - auseinanderfiel. 70 Kilometer vor dem Ziel musste auch Geschke abreißen lassen. Pawel Kortschetkow (Russland) und der Pole Michal Wiatkowski wurden schließlich als Letzte der Gruppe von den hartnäckigen Verfolgern "geschluckt".

Vorentscheidung auf der letzten Abfahrt

Der Italienische Radfahrer Vincenzo Nibali fährt vorne weg. © DPA Picture Alliance Foto: Yorick Jansens

Stürzte - eine Medaille vor Augen - auf der letzten Abfahrt: Vincenzo Nibali

Zu der neuen Spitzengruppe gehörten zunächst zehn Fahrer, darunter Greg van Avermaet, Rafal Majka sowie drei Italiener um Fabio Aru und Nibali. Auch zwei Briten waren mit dabei, allerdings nicht Tour-Sieger Christopher Froome, der vergeblich versuchte, noch einmal an die Führenden heranzukommen. Emanuel Buchmann, der lange zur Verfolgergruppe gehörte, konnte am Ende ebenfalls nicht mit den Schnellsten mithalten, war als 14. aber im Ziel bester deutscher Fahrer.

Nach den Stürzen von Nibali, der sich dabei einen Schlüsselbeinbruch zuzog, und Montoya fuhr zunächst Majka allein an der Spitze. Der Pole wurde aber vier Kilometer vor der Ziellinie von van Avermaet und Fuglsang eingeholt. Die Beiden machten Gold und Silber im Sprint aus, der entkräftete Majka rettete Bronze. Nicht nur Nibali zog sich einen Knochenbruch zu, auch der Kolumbianer Sergio Henao (Becken) und Australier Richie Porte (Schulterblatt).

Martin und Levy früh ausgestiegen

Das Straßenrad-Rennen in Rio vor einer traumhaften Kulisse. © DPA Bildfunk Foto: Yoan Valat

Schwerer Kurs vor toller Kulisse

Die deutsche Bilanz? Geschke, der das Rennen mehr als vier Stunden lang mitbestimmte, und Buchmann dürfen mit ihrem Auftritt sehr zufrieden sein. Maximilian Levy, der den vierten deutschen Startplatz bekam, dessen Fokus aber auf dem Sprint- und Keirin-Wettbewerb auf der Bahn liegt, stieg wie erwartet sehr früh nach nur 33 Kilometern aus. Auch Tony Martin machte seine Ankündigung wahr und fuhr das Rennen nicht zu Ende. Nach 120 Kilometern war für den am Knie lädierten Zeitfahr-Weltmeister und Silbermedaillengewinner des Einzelzeitfahrens von London 2012 Schluss. Er schonte sich für das Zeitfahren am Mittwoch, bei dem er sich Medaillenchancen ausrechnet.

 

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 07.08.16 02:44 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge USA USA 46 37 38
2. Flagge Großbritannien GBR 27 23 17
3. Flagge Volksrepublik China CHN 26 18 26
4. Flagge Russland RUS 19 17 20
5. Flagge Deutschland GER 17 10 15
6. Flagge Japan JPN 12 8 21
7. Flagge Frankreich FRA 10 18 14
Stand nach 306 von 306 Entscheidungen.

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