Paralympics-Logo und Fans © picture alliance / Kyodo

Doping

Paralympics ohne russische Athleten

Das Internationale Paralympische Komitee wagt, was sich das IOC nicht getraut hat: Die russische Mannschaft wird komplett von den Paralympics in Rio ausgeschlossen.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat am Sonntag (07.08.16) die komplette russische Mannschaft von den bevorstehenden Sommer-Paralympics (7. bis 18. September) in Rio ausgeschlossen. Basis für die Entscheidung sind wie schon beim IOC die Enthüllungen des McLaren-Reports über systematisches Doping in Russland. 35 positive russische Dopingproben von paralympischen Sportarten sollen zwischen 2012 und 2015 verschwunden sein. Bei den Paralympics in Sotschi 2014 sollen positive Dopingproben vertauscht worden sein. Mit 30 Gold-, 28 Silber- und 22 Bronzemedaillen sammelten die russischen Sportler in Sotschi so viele Medaillen wie noch nie ein Team zuvor. Deutschland belegte mit riesigem Abstand Platz zwei (9/5/1).

Nachuntersuchungen auf Basis des McLaren-Reports

Philip Craven, Chef des Internationalen Paralympischen Komitees, bei einer Pressekonferenz. © Imago/Wolter

IPC-Chef Philip Craven.

Das IPC unter Führung von Präsident Philip Craven hat zudem Report-Ersteller Richard McLaren kontaktiert, um weitere Beweise für systematisches Doping in Russland zu finden. "Der McLaren-Report markierte meiner Ansicht nach und auch der Ansicht des IPC-Vorstands nach einen der dunkelsten Momente des Sports", sagte Craven. Russland sei "nicht in der Lage, dem Anti-Doping-Code des IPC und dem Anti-Doping der WADA zu entsprechen".

Unterstützung vom deutschen Verband

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) unterstützt das IPC. "Damit setzt der Paralympische Sport ein klares Zeichen und zeigt, dass im Gegensatz zum IOC die Null-Toleranz-Politik in der Dopingbekämpfung des Paralympischen Sports keine leere Worthülse ist", heißt es in einer Verbandsmitteilung.

Mutko: "Unbegreifliche Entscheidung"

Russlands Sportminister Witali Mutko sprach dagegen von einer "unbegreiflichen Entscheidung, jenseits aller Vorstellungsktraft". Er verstehe nicht, sagte Mutko der Nachrichtenagentur "Interfax", "auf welcher Basis diese Entscheidung gefallen ist." Mutko sicherte dem Russischen Paralympischen Komitee "volle Unterstützung" zu.

IOC in Erklärungsnot - "Situation eine ganz andere"

Durch die Entscheidung des IPC gerät auch das Internationale Olympische Komitee IOC noch stärker in Erklärungnot. Das IOC unter der Führung von Thomas Bach hatte im Zuge der Doping-Enthüllungen von einem generellen Ausschluss Russlands abgesehen. In einer ersten Pressemitteilung bewertete das IOC den Beschluss inhaltlich nicht. Es betonte aber, dass die Situation im IPC "eine ganz andere als im IOC" sei. Der Größenunterschied lasse keinen Vergleich zu, das IOC habe sich mit viel mehr Verbänden auseinanderzusetzen.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 08.08.16 02:00 Uhr