Die russische Weitspringerin Darja Klischina. © dpa picture alliance Fotograf: Marc Tirl

Doping

IAAF erlaubt nur Klischina Olympia-Start

Der Leichtathletikweltverband IAAF hat der russischen Weitspringerin Darja Klischina die Olympia-Starterlaubnis als "neutrale Athletin" erteilt. Jetzt muss nur noch das Internationale Olympische Komitee (IOC) zustimmen. Die IAAF lehnte alle anderen Anträge russischer Leichtathleten für einen Start in Rio ab, wie die Nachrichtenagentur TASS meldete.

Weitspringerin Darja Klischina hat nach Whistleblowerin Julia Stepanowa als zweite russische Leichtathletin die Starterlaubnis als "neutrale Athletin" bei internationalen Wettbewerben erhalten. Das teilte der Leichtathletikweltverband IAAF am Samstagabend (09.07.16) mit. Sollte das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Entscheidung akzeptieren, könnte die 25 Jahre alte Klischina bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) an den Start gehen. Die in Florida studierende Klischina gehört zu den bekanntesten der insgesamt 136 russischen Athleten, die ein Sonderstartrecht für Olympia beantragt hatten. Die übrigen Anträge habe die IAAF allesamt abgelehnt, sagte Alexandra Brilliantowa, die Leiterin der Rechtsabteilung des nationalen russischen Komitees, der Nachrichtenagentur TASS.

Sportminister Mutko: "Es ist ärgerlich"

Witali Mutko © imago/ITAR-TASS

Russlands Sportminister Witali Mutko

Sportminister Witali Mutko zeigte sich enttäuscht: "Meiner Meinung nach war es schwierig, eine andere Entscheidung zu erwarten. Es überrascht mich nicht, aber es ist ärgerlich", kommentierte er die Entscheidung. Mutko attackierte den Weltverband scharf: "Es wird Zeit, dass diese Organisation aufgelöst wird." Vonseiten des russischen Leichtathletik-Verbandes RUSAF hieß es: "Wir werden für das Recht der sauberen Sportler kämpfen."

Hammerwerfer Litwinow: Verband und Ministerium haben Schuld

Der russische Hammerwerfer Sergej Litwinow sah am Samstag in der ARD die RUSAF in der Verantwortung: "Man muss aussprechen, dass der Verband und das Ministerium schuld sind. Das sollte der Anfang sein, dann können wir da irgendwann vielleicht rauskommen", sagte der 30-Jährige. "Ich höre bei uns immer nur, dass die IAAF und die WADA schlecht sind. Einen Klimawandel habe ich im Verband nicht gesehen. Der Verband ist schuld und muss jetzt alles machen, damit die Athleten wieder eine Chance bekommen."

CAS will bis zum 21. Juli entscheiden

Die IAAF hatte Mitte Juni die Suspendierung des russischen Verbandes (RUSAF) wegen systematischen Dopings verlängert und damit auch den Olympia-Ausschluss russischer Leichtathleten vorbehaltlich Ausnahmeregelungen wie nun im Fall Klischina besiegelt. Wer im Ausland lebt und sich in einem unabhängigen Doping-Kontrollsystem bewegt, hatte die Chance, vom Weltverband ein Sonderstartrecht zu erhalten. Insgesamt 68 Athleten um Russlands Stabhochsprung-Star Jelena Issinbajewa hatten bereits vor der IAAF-Entscheidung Klage beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die Suspendierung der russischen Athleten eingereicht. Eine Entscheidung soll bis zum 21. Juli fallen.

Stepanowa hat Olympia-Start beantragt

Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Amsterdam war die 800-m-Läuferin Julia Stepanowa, die als Whistleblowerin mit ihren Enthüllungen den Skandal von systematischem Doping in ihrem Land an die Öffentlichkeit gebracht hatte, als einzige Russin an den Start gegangen. Allerdings nahm die Mittelstrecklerin unter der Flagge des europäischen Verbandes EAA an den Wettbewerben teil. Sie hat beim IOC eine Olympia-Teilnahme beantragt. Nach Ansicht des Komitees dürfte sie sogar unter russischer Flagge starten, wenn sie vom Nationalen Olympischen Komitee Russlands (ROC) nominiert würde. Da dieser Fall äußerst unwahrscheinlich ist, könnte Klischina die einzige Leichtathletin unter russischer Flagge in Rio sein.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 10.07.16 13:27 Uhr