Eine russische Synchronschwimmerin © picture alliance / dpa Foto: Patrick B. Kraemer

Synchronschwimmen

Ein 400-Meter-Sprint mit ab und zu Luft anhalten

von Matthias Heidrich, sportschau.de

400 Meter sprinten und dabei ab und zu die Luft anhalten. So ungefähr geht Synchronschwimmen. Anmut und Anstrengung liegen im Becken eng beieinander. Ein Besuch bei einer faszinierenden Sportart, die nur alle vier Jahre im Rampenlicht steht.

Alle vier Jahre tauchen sie auf. Sportarten, die ansonsten in der öffentlichen Wahrnehmung eher unter dem Radar fliegen, vielleicht sogar belächelt werden. Olympia macht es möglich. Im Maria Lenk Aquatics Centre ist am drittletzten Tag der Spiele in Rio jedenfalls kaum ein Platz frei geblieben. Lediglich auf der einen Seite ist noch Luft, von wo aus man die Wasserspringer gut beobachten könnte. Doch die Musik spielt im Becken nebenan. Das Team-Finale im Synchronschwimmen steht auf dem Programm.

Zentimeter dicke Schminke im Gesicht und Gelatine in den Haaren

Acht Mannschaften mit jeweils acht Athletinnen, die mit ihren rund vier Minuten langen Küren das Publikum zum Staunen bringen. Die wasserfeste Schminke ist Zentimeter dick aufgetragen, die Badeanzüge blitzen und blinken in der Sonne Rios, die in die offene Arena scheint. Ihre Haare haben sich die Synchronschwimmerinnen mit Gelatine an den Kopf gekleistert, damit sie im Wasser halten. Die Musik dröhnt aus den Boxen. Wie ein Rudel Pfaue stolzieren die Teams zum Becken. Die Kür beginnt schon mit dem Einmarsch. Es wirkt alles wie eine etwas überdrehte Show.

Synchronschwimmen

Anmut und Ausdauer

Anmut und Anstrengung

Einmal im Wasser, weicht dieser Eindruck dem Respekt vor der Leistung der acht Athletinnen. Anmut und Anstrengung ist wohl die treffende Alliteration für das Synchronschwimmen. Die Figuren gehen fließend ineinander über. Mal schrauben sich die Schwimmerinnen bis zur Hüfte aus dem Wasser. Dann ragen nur die Beine aus dem Pool, kerzengerade, synchron, eine halbe Ewigkeit lang. Die Sprungelemente bieten zumeist den spektakulären Einstieg in die Darbietungen. Eine Athletin wird von den restlichen sieben aus dem Wasser katapultiert, legt einen doppelten Salto oder zwei Schrauben hin. Und das alles, ohne dass irgendjemand den Boden des Beckens berührt.

Höchstleistungen mit Sauerstoffmangel

Gut die Hälfte der vierminütigen Kür verbringen die Synchronschwimmerinnen mit dem Kopf unter Wasser. Je nach Länge der Figuren müssen sie bis zu 45 Sekunden lang die Luft anhalten und unter Wasser Schwerstarbeit verrichten. Die deutsche Synchronschwimmerin Edith Zeppenfeld hat es mal so ausgedrückt: "Es ist wie ein 400-Meter-Sprint mit zwischendurch immer Atem anhalten. Die Arme tun weh, die Beine tun weh." Synchronschwimmerinnen müssen ihrem Körper beibringen, sportliche Höchstleistungen mit wenig Sauerstoff abliefern zu können. Bei einem typischen Ausdauertraining ziehen die Athletinnen lange Bahnen, abwechselnd schwimmend und tauchend.

Bis zu 70 Stunden Training die Woche

Sich die Anstrengung im Wettkampf nicht anmerken zu lassen, ist eine weitere Herausforderung. Immer schön lächeln, wenn der Kopf mal über Wasser ist. Mimik und Gestik zählen zum Gesamteindruck. Im Maria Lenk Aquatics Centre gelingt das Zusammenspiel aus Kraft, Ausdauer und Anmut den Russinnen am besten. Einmal mehr. Sie holen Gold, wie schon bei den vier vorangegangenen Olympischen Spielen. Der WM-Titel ging zuletzt neunmal in Serie an Russland. Eine Dominanz, hinter der bis zu 70 Stunden Training in der Woche stehen.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 20.08.16 09:38 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge USA USA 46 37 38
2. Flagge Großbritannien GBR 27 23 17
3. Flagge Volksrepublik China CHN 26 18 26
4. Flagge Russland RUS 19 17 20
5. Flagge Deutschland GER 17 10 15
6. Flagge Japan JPN 12 8 21
7. Flagge Frankreich FRA 10 18 14
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