Serge Gnabry (l.), Julian Brandt © imago Foto: imago

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Deutsche Fußballer greifen nach historischem Gold

Das Hrubesch-Team greift nach dem ersten Olympia-Gold im Fußball für die Bundesrepublik Deutschland, aber der Druck liegt beim Gegner: Gastgeber Brasilien spielt mit der schweren Last von der WM 2014.

Die historische 1:7-Pleite der Selecao gegen Deutschland bei der Heim-WM vor zwei Jahren hat sich ins Gedächtnis der Brasilianer eingebrannt. Und natürlich ist die Demütigung von Belo Horizonte auch vor dem olympischen Finale im Maracana gegen das deutsche Team am Samstag (20.08.2016, 22.30 Uhr) allgegenwärtig. Nur zwei Jahre nach der größten Niederlage der brasilianischen Fußball-Geschichte bekommt das Land des fünfmaligen Weltmeisters die Chance zur Revanche gegen "Alemanha".

Horst Hrubesch wollte die Bedeutung des Spiels zwar nicht zu hoch hängen. "Wir spielen dieses Turnier, da treffen komplett andere Mannschaften aufeinander", meinte der 65-Jährige vor seinem letzten Spiel als Auswahltrainer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Auch Sportdirektor Hansi Flick, bei der WM 2014 in Belo Horizonte noch Assistent von Bundestrainer Joachim Löw, möchte beide Turniere nicht vergleichen: "Wir schreiben bei Olympia eine neue, ebenfalls erfolgreiche Geschichte." Hrubesch zeigte seinen Spielern zur Motivation ein Video mit den besten olympischen Momenten.

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Die DFB-Elf vor dem Finale im Teamcheck

Meyer: "Druck lastet nicht auf uns"

Die Spieler glauben, dass der Gegner im Maracana sicherlich auch gegen das Trauma von 2014 und die Last der Geschichte spielen wird: "Klar, die haben Druck. Ich glaube, dass das Land eine kleine Revanche für das 1:7 erwartet", sagte der Leipziger Angreifer Davie Selke.

Brasiliens Neymar hadert mich sich selbst. © DPA Picture Alliance Foto: CITYPRESS24

Großer Druck lastet auf den Gastgebern um Superstar Neymar.

"Es wird laut werden. Wir stellen uns darauf ein. Das wird gigantisch", bemerkte Lars Bender, der mit Bruder Sven und Nils Petersen die Fraktion der Routiniers im deutschen Team bildet. "Sie haben Neymar, der hat einen Marktwert wie unsere ganze Truppe zusammen. Der Druck lastet jedenfalls nicht auf uns", sagte der Schalker Max Meyer. Und Leverkusens Julian Brandt ergänzte: "Ich finde, dass es ein sehr geiles, anspornendes Gefühl ist, wenn man von 80.000 ausgepfiffen wird."

Beim ersten Olympia-Auftritt seit 1988 in Seoul - damals holten Jürgen Klinsmann und Co. die Bronzemedaille - haben die BRD-Fußballer mit dem Einzug ins Olympia-Endspiel schon ein Novum erreicht. Die DDR hatte 1976 in Montreal unter anderen mit "Dixie" Dörner, Jürgen Croy und Lothar Kurbjuweit Gold geholt, vier Jahre später bei den Boykott-Spielen in Moskau Silber.

Hrubesch verspricht Offensive - auch gegen Neymar und Co.

Nun kann Hrubeschs Mannschaft auch den ersten Olympiasieg für ein gesamtdeutsches Team holen. "Das wird das Spiel unseres Lebens", sagte Stürmer Selke, der mit seinen Mitspielern vor dem Finale in Rio auch ins oylmpische Dorf einzog. Ohne große Stars und mit vielen Kompromissen zusammengestellt, ist dem jungen Team in Rio de Janeiro sogar der ganz große Coup zuzutrauen. "Vor drei Jahren habe ich davon geträumt, dass ich hier sitze", verriet der Trainer. Der Auftrag an seine Olympia-Kicker ist klar: Den Brasilianern um Superstar Neymar schnell die Lust nehmen und selbst an die bisher starken Turnier-Auftritte anküpfen. "Das wollen wir tun", erklärte Freiburgs Stürmer Petersen.

Finale im Maracana - "Davon erzählst du deinen Enkelkindern"

Hrubesch will auch gegen die Gastgeber an der taktischen Ausrichtung seines Teams nichts ändern. "Wir werden offensiv spielen", kündigte der 65-Jährige an. "Wir werden das spielen, was wir im Turnier gezeigt haben. Wir können uns nicht hinten rein stellen." Und seine Spieler sollen trotz der erwarteten Millionen Fans in aller Welt vor den TV-Bildschirmen die Partie einfach genießen. "Es muss einfach Spaß machen, aus dem Auswärtsspiel ein Heimspiel zu machen", sagte Hrubesch. "Gegen Brasilien im Maracana zu spielen, diese Möglichkeit bietet sich jedem Fußballer nur einmal in der Karriere. Dann muss man es annehmen", unterstrich Kölns Torwart Timo Horn. Oder wie es Hrubesch ausdrückte: "In 40 Jahren erzählst Du es deinen Enkelkindern."

Hrubesch: Bierdusche statt Caipirinha

Der DFB-Coach wurde auch nach einer möglichen Siegesfeier gefragt. Auf eine wilde Party habe er keine Lust, schon wegen seines Rückens. "Mir fehlt eine Bandscheibe. Am Ende kann ich dann zwei Tage nicht mehr laufen", meinte der 65-Jährige und zwinkerte mit den Augen. Für sein letztes großes Spiel erhofft sich der DFB-Trainer daher den eher klassischen Jubel: "Ich nehme lieber die Bierdusche."

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Hrubesch: Mehr als ein "Kopfball-Ungeheuer"

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 20.08.16 07:37 Uhr

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