Dagur Sigurdsson, Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft © picture alliance / Fotostand

Handball

Das Viertelfinale ist Pflicht für den Europameister

Vor zwölf Jahren in Athen gewann eine deutsche Handballauswahl letztmals olympisches Edelmetall. Ob es in Rio erneut für Silber reicht? Schwierig. Denn die Topfavoriten sind andere. Das Erreichen des Viertelfinals ist für den amtierenden Europameister aber Pflicht.

Allzu forsch gehen die deutschen Handballer das Abenteuer Olympia nicht an. Zwar ist die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson nach dem Gewinn des Europameistertitels mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen im Gepäck nach Brasilien angereist. Die letzten Tests liefen allerdings nicht rund. Topfavoriten sind deshalb andere.

Noch deutlich Luft nach oben

Die letzten Vorbereitungsspiele brachten es ans Licht: Die DHB-Auswahl sucht noch nach ihrer EM-Form. Beim "Euro Tournoi" in Straßburg setzte es eine deutliche 19:25-Niederlage gegen Dänemark, ehe Afrikameister Ägypten - in Rio auch einer der Vorrundengegner - knapp mit 30:27 geschlagen werden konnte. Beim letzten "Stresstest" am Mittwoch (03.08.16) in Rio tat man sich in einer verkürzten Testpartie gegen den EM-Dritten Kroatien ebenfalls schwer. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hieß es nach zwei mal 20 Minuten 16:17.

"Die Mannschaft ist noch nicht in der Verfassung, in der ich es mir gewünscht hätte", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning noch vor dem Spiel gegen die Kroaten. Spritzigkeit, Aggressivität, mentale Frische, Feinabstimmung vor allem in der Abwehr - in fast allen Bereichen offenbarte das Team noch Defizite und deutlich Luft nach oben. Was Hoffnung macht: Leidenschaft und Teamgeist gehören weiterhin zu den hervorstechendsten Eigenschaften dieser Mannschaft, die weiß, dass sie sich steigern muss.

Ab dem Viertelfinale ist "alles möglich"

DHB-Vizepräsident Bob Hanning © picture alliance / Fotostand

Kritisch, aber Optimist: DHB-Vizepräsident Bob Hanning

"Wir können nach wie vor gegen viele Teams verlieren, aber auch gegen alle gewinnen", gibt sich Hanning wenige Tage vor dem Start gegen Rekord-Europameister Schweden am Sonntag (16.30 Uhr MESZ) deshalb zuversichtlich. Polen (9. August), Gastgeber Brasilien (11. August), Slowenien (13. August) und Ägypten (15. August) heißen die weiteren Vorrundengegner.

Verbandsvorgabe ist das Viertelfinale, für das sich jeweils die besten vier Teams der beiden Hauptrundengruppen qualifizieren. Das sollte machbar sein. Danach, so Hanning, sei "alles möglich". Die Spieler um Kapitän Uwe Gensheimer jedenfalls träumen nach dem EM-Coup von Polen von der ersten olympischen Handball-Medaille seit Silber in Athen 2004.

Hungrige Franzosen das Maß aller Dinge

Der EM-Titel sei wichtig, "denn die Mannschaft weiß jetzt, wie Erfolg schmeckt", sagt Hanning. "Ein großes Manko" freilich sei, dass kein Spieler bislang bei Olympischen Spielen dabei war. "Solch ein Turnier funktioniert ganz anders als eine EM oder WM." Zu den großen Favoriten zählt Hanning das deutsche Team daher nicht. "Die Franzosen sind nach wie vor das Maß aller Dinge", sagt er. Das Hauptrunden-Aus bei der EM habe dem Olympiasieger von 2008 und 2012 gut getan, "es macht sie noch hungriger auf die Goldmedaille". Auch Kroatien, Dänemark sowie Vize-Weltmeister Katar zählt er zu den Titel-Kandidaten.

Nichtsdestotrotz will die Mannschaft bei diesem Turnier möglichst weit kommen. Körperlich seien die Spieler in einem "sensationellen" Zustand, so Hanning. Aber alle müssten zulegen und noch mehr investieren: "Der unbedingte Wille, mehr in den Topf einzuzahlen als rauszunehmen, ist noch zu wenig zu sehen."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 03.08.16 16:04 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge USA USA 46 37 38
2. Flagge Großbritannien GBR 27 23 17
3. Flagge Volksrepublik China CHN 26 18 26
4. Flagge Russland RUS 19 17 20
5. Flagge Deutschland GER 17 10 15
6. Flagge Japan JPN 12 8 21
7. Flagge Frankreich FRA 10 18 14
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