Der brasilianische Marathonläufer Vanderlei Cordeiro de Lima entzündet das Olympische Feuer. © dpa Fotograf: Esteban Biba

Eröffnungsfeier

Olympische Spiele in Rio sind eröffnet

Mit einer brasilianisch-bunten Feier, aber auch nachdenklichen Tönen, sind die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro eröffnet worden. Der frühere brasilianische Langstreckenläufer Vanderlei de Lima entzündete das Olympische Feuer im Maracanã-Stadion.

De Lima ging als Unglücksrabe von Athen in die olympische Geschichte ein. Im Marathonlauf bei den Olympischen Spielen 2004 war der Brasilianer fünf Kilometer vor dem Ziel mit gut 30 Sekunden Vorsprung in Führung liegend von einem irischen Fanatiker von der Strecke gedrängt worden - und musste sich am Ende mit Bronze begnügen. Weil er den Vorfall in Athen damals ohne Murren hingenommen hatte, erhielt de Lima vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Pierre-de-Coubertin-Medaille. Erst später klagte das brasilianische NOK erfolglos vor dem Sportschiedsgericht CAS auf eine zusätzliche Goldmedaille. Mit 39 Jahren beendete der Leichtathlet seine Karriere.

Pfiffe für Brasiliens Staatschef, Beifall für Bach

Zuvor hatte Brasiliens Interimspräsident Michel Temer die Olympischen Spiele um 04:27 Uhr am Samstagmorgen (06.08.2016) für eröffnet erklärt. Bis zum 21. August werden bei den ersten Spielen in Südamerika in 306 Wettbewerben Medaillen vergeben.

Während Temer von einem Großteil der 50.000 Zuschauer gnadenlos ausgebuht wurde, erhielt Thomas Bach, Präsident des IOC, ungeachtet der verstörenden Entscheidungen in der "Causa Russland" mehrfach Beifall. In seiner Rede verlor der deutsche IOC-Präsident kein Wort zum Thema Doping, das das IOC und die Sportgerichte im Zuge der russischen Dopingaffäre bis kurz vor der Eröffnungsfeier in Atem hielt. Stattdessen beschwor Bach die olympischen Werte, pries sie als Antwort auf die großen Krisen der Welt und wandte sich an das Flüchtlingsteam, das erstmals bei Olympischen Spielen startet: "Ihr sendet eine hoffnungsvolle Botschaft an Millionen von Flüchtlingen weltweit", so Bach. "Wir leben in einer Welt, in der sich gewisse Menschen über andere stellen wollen. Aber hier ist unsere olympische Antwort. Wir heißen euch willkommen als Bereicherung."

Die mehr als 10.000 Athleten rief er auf: "Achtet die Werte, dank derer die Olympischen Spiele so einzigartig sind!" Der brasilianische Segler Robert Scheidt versprach stellvertretend als Sprecher des Olympischen Eids, dies zu tun.

Eröffnungsfeier

Die schönsten Bilder der Eröffnungsfeier

Brasilianische Lebensfreude und nachdenkliche Momente

Ein bunter Show-Mix hatte zuvor die Eröffnungsfeier im Maracanã-Stadion eingeleitet. Mit einem musikalischen und tänzerischen Abriss von Geschichte und Gegenwart stellte sich Brasilien dem weltweiten Milliarden-Publikum an den Fernsehgeräten als sympathischer Gastgeber vor.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, feierten die Gastgeber mit farbenfroher brasilianischer Lebensfreude, ließen aber auch immer wieder ernste, nachdenkliche Momente in die Show einfließen. Auf dem Höhepunkt der ausgelassenen Stadion-Party, mit Auftritten von Model Gisele Bündchen und Musikstars wie Tom Jobim und Elza Soares, zog die Regie den Stecker - für einen eindringlichen Appell gegen Umweltzerstörung, Klimawandel und die Abholzung des Regenwaldes, der auch den anschließenden Einmarsch der Athleten begleitete. Jede Nation pflanzte den Setzling eines brasilianischen Baums in eine Spiegel-Installation, die sich später zu den fünf olympischen Ringen entfaltete.

Boll führt Deutschland ins Stadion

Als einer der ersten Nationen betrat das deutsche Team kurz vor zwei Uhr morgens den Fußball-Tempel von Rio, angeführt von Fahnenträger Timo Boll. Russlands Olympia-Teilnehmer wurden nach dem Staatsdoping-Skandal bei der Eröffnungsfeier von den Zuschauern überwiegend freundlich begrüßt. Nur vereinzelt waren Pfiffe gegen das Team zu hören, das von Volleyball-Olympiasieger Sergei Tetjuchin angeführt wurde. Den stimmungsvollen Abschluss der Nationenparade bildete das erste olympische Flüchtlingsteam - gefolgt vom umjubelten Einzug des Gastgebers.

Olympischer Lorbeer für Kenias Lauflegende Kip Keino

Ein besonderer Augenblick war die Auszeichnung des zweimaligen Leichtathletik-Olympiasiegers Kipchoge Keino aus Kenia, der für seine Verdienste um Bildung, Entwicklung, Kultur und Sport den Olympic Laurel (Olympischer Lorbeer) erhielt. Der 75 Jahre alte Keino gewann bei den Spielen 1968 in Mexiko Gold über 1500 m und vier Jahre später in München Gold über 3000 m Hindernis. Seit seinem Abschied vom Leistungssport 1973 widmet er sich mit seiner Frau Phyllis der von ihm gegründeten Wohltätigkeitsorganisationen, die sich um kenianische Waisenkinder kümmert.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 06.08.16 04:50 Uhr