IOC-Funktionär Patrick Hickey. © DPA Picture Alliance Fotograf: Julien Behal

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Festgenommener IOC-Funktionär legt Ämter nieder

IOC-Exekutivmitglied Patrick Hickey wurde festgenommen - er soll in einen Ticketskandal verwickelt sein. Der Ire legte seine Ämter vorübergehend nieder.

Der 71-jährige Hickey, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Irlands (OCI), wurde am Mittwoch (17.08.16) im IOC-Hotel Windsor Marapendi festgenommen. Das bestätigte die Polizei von Rio de Janeiro.

Aufgrund seiner Verhaftung und seiner gesundheitlichen Probleme hat Hickey seine Ämter bis zur Klärung des Falls vorübergehend niedergelegt. Da betreffe unter anderem das Amt des Präsidenten des Irischen Olympischen Komitees (OCI), das Amt des Präsidenten des Europäischen Olympischen Komitees (EOC) sowie seine IOC-Mitgliedschaft. Das teilte das OCI auf seiner Internseite mit.

Schwarzhandel mit Eintrittskarten?

Der Funktionär soll in Schwarzhandel mit Eintrittskarten verwickelt sein. Zudem wird ihm die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Es sei ein Haft- und Durchsuchungsbefehl erlassen worden. Wie die Polizei mitteilte, wurden unter anderem belastende E-Mails gefunden. Hickey soll unmittelbar nach seiner Festnahme über Unwohlsein geklagt haben und in ein Krankenhaus gebracht worden sein. Angeblich habe es zuvor einen Fluchtversuch gegeben. Hickeys Olympia-Akkreditierung und ein Flugticket wurden beschlagnahmt, ihm drohen bis zu sieben Jahre Haft.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte mit, dass es mit den Behörden zusammenarbeiten wolle. "Wenn es denn eine Polizeiuntersuchung gibt, werden wir umfassend kooperieren", sagte IOC-Sprecher Mark Adams, der volles Vertrauen in das brasilianische Rechtssystem äußerte: "Für jeden gilt die Unschuldsvermutung." Das OCI erklärte, die Berichte zur Festnahme seines Präsidenten zu kennen, sich aber vor weiteren Stellungnahmen zunächst Klarheit verschaffen zu wollen.

Vorwurf illegaler Ticketverkauf

Hickey, der auch Präsident der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees Europas (EOC) ist, soll an einem internationalen Händlerring beteiligt sein, der illegale Tickets verkauft. Hickey soll über eine Firma Tickets vertrieben und diese an die irische Firma THG Sports weitergereicht haben. Unter anderem seien Preise von 8000 Dollar für ein Besuchspaket zur Eröffnungsfeier in Rio verlangt worden. Zudem wurde THG Sports in Zusammenhang mit zahlreichen gefälschten Tickets gebracht. Die Firma, die laut Polizei nicht zum Ticketverkauf befugt ist, erklärte allerdings am Dienstag (16.08.16), die Vorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage.

In der vergangenen Woche hatte die Polizei in Rio de Janeiro den aus Irland stammenden Chef der britischen Ticketfirma mit falschen Eintrittskarten ertappt und festgenommen. Er soll mehr als 1000 Olympia-Tickets zu überhöhten Preisen gehandelt haben.

  • Patrick Hickey - der Multifunktionär

    Patrick Hickey ist seit 1988 Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Irlands (OCI). Er wurde mehrmals wiedergewählt, zuletzt 2014. Seit 1995 sitzt Hickey im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), vor vier Jahren wurde er erstmals in die Exekutive gewählt. Seit Sommer 2006 ist Hickey auch Präsident der 1968 gegründeten Vereinigung der Europäischen Olympischen Komitees (EOC).

  • Die umstrittenen Europaspiele

    Als EOC-Chef hat Hickey die Europaspiele eingeführt und deren erste Ausgabe 2015 an Baku in Aserbaidschan vergeben. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew, der sein Land autokratisch führt und dem massive Menschenrechtsverstöße vorgeworfen werden, nutzte die Premiere für eine riesige Propaganda-Schau. "Die Zukunft leuchtet hell für Aserbaidschan", bedankte sich Hickey. Von Alijew bekam er zu seinem 70. Geburtstag im vergangenen Jahr den Sharaf Orden (Auszeichnung der Ehre).

  • Hickey und Doping

    Im Vorfeld der Spiele von Rio hatte Hickey nach der Veröffentlichung des McLaren-Reports den Vorstoß mehrerer Anti-Doping-Organisationen kritisiert, russische Sportler von den Spielen ausschließen zu wollen. Hickey gilt innerhalb der IOC-Exekutive als einer der Unterstützer Russlands - auch, weil die russischen Städte Kasan und Sotschi die favorisierten Kandidaten für die umstrittenen Europaspiele 2019 sind.

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Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 17.08.16 20:06 Uhr