Der deutsche Diskuswerfer Christoph Harting jubelt. © dpa Fotograf: Michael Kappeler

Leichtathletik

Hartings denkwürdiger Auftritt nach Sensations-Gold

Wieder Diskus-Gold für einen Harting: Statt Robert Harting, der vier Jahre zuvor in London triumphiert hatte, feierte am Samstag sein jüngerer Bruder Christoph Sensations-Gold - und sorgte im Anschluss für Verwunderung. Am Abend bedauerte er sein Verhalten im exklusiven ARD-Interview.

Christoph Harting stolzierte in der Pose des Triumphators durch den Innenraum des Olympiastadions und zog eine große Show ab. Mit aufreizender Lässigkeit und einem Schuss Arroganz versuchte er, das Publikum zum Jubeln zu animieren. Und er deutete an, sich wie sein Bruder das Trikot zu zerreißen - und beließ es dann doch dabei, sich in die deutsche Fahne zu hüllen.

Bronze für Jasinski

Zuvor hatte der Berliner im letzten Durchgang des Diskus-Wettbewerbs von Rio die Scheibe auf die Weltjahresbestweite von 68,37 m geschleudert. Top-Favorit Piotr Malachowski aus Polen, der bis zum letzten Versuch mit 68,15 m geführt hatte, konnte nicht mehr kontern. Der 33-jährige Weltmeister von 2015 holte nach Peking 2008 seine zweite olympische Silbermedaille. Überraschend Bronze feierte der Bochumer Daniel Jasinski, der ebenfalls im letzten Durchgang seinen besten Wurf hatte und die Scheibe auf 67,05 m warf und so den Esten Martin Kupper von den Medaillenrängen verdrängte.

Harting: "Damit umzugehen, ist eine Kunst für sich"

Auch im Moment seines größten Erfolgs sagte der als introvertiert geltende Harting, der als fünfter Deutscher bei Olympia Diskus-Gold gewann, nur wenig. "Mahlzeit", rief er durch die Gänge des Olympiastadions, er warf mit Kusshändchen um sich, und dann war er schon wieder verschwunden. Wortlos lief er an allen Kameras vorbei, äußerte sich dann aber im ARD-Hörfunk zumindest knapp: "Ich bin kein Medienmensch, ich bin keine Kunstfigur, ich bin Sportler und lasse meine Leistung sprechen." Auch im Anschluss während der Siegerehrung verhielt sich der neue Olympiasieger unorthodox, als er unter anderem die Arme verschränkte, Faxen machte und beim Abspielen der Nationalhymne mitpfiff und -schunkelte.

Harting musste reichlich Kritik einstecken, am Abend bedauerte er sein Verhalten im exklusiven ARD-Interview. "Du bist noch halb im Wettkampfmodus und hormon-technisch völlig übersteuert. Damit umzugehen, ist eine Kunst für sich. Stillstehen war nicht so meins, deswegen ist das sicherlich falsch angekommen."

Unorthodoxes Verhalten

Direkt nach seinem Erfolg im Olympiastadion hatte Harting noch gesagt: "Ich bin ein Mensch, der Rhythmus braucht, der Rhythmus liebt, aber es ist sehr schwer, auf die Nationalhymne zu tanzen", sagte er später. Von seinem Trainer Torsten Lönnfors handelte er sich einen Rüffel ein: "Keine Ahnung, was das sollte, ich verstehe es nicht. Christoph muss aufpassen, dass er jetzt nicht frei dreht", sagte der Coach der "Bild"-Zeitung. Vater Gerd Harting verteidigte unterdessen das Verhalten seines Sohnes: "Wir haben die Siegerehrung auf der Großleinwand mitverfolgt. Das ist Christoph und seine Art, Erfolge zu feiern."

Deutlich euphorischer feierte Jasinski seine Medaille: "Ich dachte: Alles oder Nichts. Das ist einfach geil!", so der WM-15. des vergangenen Jahres, der die Ehrenrunde im Olympiastadion von Rio alleine absolvieren musste. Malachowski verzichtete enttäuscht, Olympiasieger Harting hatte sich längst in die Katakomben zurückgezogen.

Letzter Durchgang: Harting von vier auf eins

Der jüngerer Bruder von Titelverteidiger Robert Harting hatte nach 66,34 m im zweiten Versuch lange auf Silberkurs gelegen. Als der Este Martin Kupper bei seinem letzten Wurf auf 66,58 m kam und Jasinski ebenfalls die Harting-Weite übertraf, musste der 26-Jährige sogar um eine Medaille bangen. Doch dann bündelte der EM-Vierte, der international bis dato kein Edelmetall sammeln konnte, noch einmal alle Kräfte und warf den Diskus zur neuen persönlichen Bestweite.

Hexenschuss: Robert Harting fehlt im Finale

London-Sieger Robert Harting hatte am Vortag das Finale verpasst, weil er sich einen Hexenschuss zugezogen hatte und damit die Qualifikation nicht überstand. Den Sieg seines sechs Jahre jüngeren Bruders, zu dem Harting ein nicht immer unkompliziertes Verhältnis hat, erlebte der dreimalige Weltmeister am Samstag im Stadion. "Hey kleiner Bruder, der Generationenwechsel ist eingeleitet. Ich freue mich extrem für dich. Du hast einen klaren Harting im letzten Versuch gezeigt. Sportlich brauche ich somit nichts mehr beweisen, denn das kannst jetzt du", postete Robert Harting bei Facebook.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 13.08.16 23:58 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge USA USA 46 37 38
2. Flagge Großbritannien GBR 27 23 17
3. Flagge Volksrepublik China CHN 26 18 26
4. Flagge Russland RUS 19 18 19
5. Flagge Deutschland GER 17 10 15
6. Flagge Japan JPN 12 8 21
7. Flagge Frankreich FRA 10 18 14
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